Impfungen

Neben der artgerechten Fütterung und Haltung und der medizinischen Versorgung Deines Pferdes im Falle einer Krankheit oder Verletzung gehört auch die gesundheitliche Vorsorge zu den Aufgaben eines verantwortungsvollen und pflichtbewussten Pferdehalters. Ein, wenn nicht DER Hauptpfeiler der medizinischen Prophylaxe stellen die Impfungen beim Pferd dar.

Impfungen beim Pferd sind notwendig um die Pferdegesundheit zu schützen.

Was sind Impfungen überhaupt?

Bevor ich mich mit den unterschiedlichen Impfungen beim Pferd befasse, möchte ich zunächst die Frage klären, was Impfungen überhaupt sind, d.h. wie sie funktionieren.

Impfungen sollen Krankheiten verhindern und die Ausbreitung von bakteriellen sowie viralen Infektionen verhindern.  Deswegen sind Impfungen eine wichtige Maßnahme, um die Pferdegesundheit zu erhalten. Pferde haben wie alle Säugetiere ein Immunsystem, das sie vor Krankheitserregern schützt, indem es Antikörper und Abwehrzellen bildet. Darüber hinaus kann das Immunsystem Gedächtniszellen bilden, die ihm die Fähigkeit vermitteln, die gleichen Erreger auch nach Jahren wiederzuerkennen und bekämpfen zu können. Impfungen machen sich diese Gedächtnisleistung zu eigen. Abgeschwächte oder abgetötete Erreger oder deren Bestandteile werden bei der Impfung per Injektion in den Körper verbracht, woraufhin der Körper mit entsprechenden Abwehrmechanismen reagiert.

Was gibt es bei Impfungen beim Pferd zu beachten?

  • Grundsätzlich stellen Impfungen eine freiwillige Gesundheitsprophylaxe dar, die allerdings zum Wohl des Pferdes nicht vernachlässigt werden sollte. Neben den freiwilligen Impfungen beim Pferd existiert aber auch eine Impfpflicht für Turnierpferde sowie Pferde, die an Rennen oder Leistungsschauen teilnehmen, gegen die sogenannte Pferdegrippe (Equine Influenza). Die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN) schreibt für alle Turnierpferde ein regelmäßiges Impfintervall von 6 Monaten vor. Detaillierte Informationen zu der Impfpflicht auf Turnieren findest Du in § 66 der LPO (Leistungs-Prüfungs-Ordnung) des FN.
  • Ein Impfprogramm besteht aus einer Grundimmunisierung, die im Normalfall zwei Injektionen im Abstand von ein paar Wochen umfasst sowie halbjährliche oder jährliche Wiederholungsimpfungen. Um den vollen Impfschutz zu gewährleisten, muss das vom Hersteller des Impfstoffes vorgegebene Impfschema genau eingehalten werden.
  • Die Impfungen werden vom behandelnden Tierarzt im Equidenpass Deines Pferdes dokumentiert. So hast Du einerseits einen Nachweis über die vorgenommenen Impfungen beim Pferd und zum anderen auch einen Überblick, wann der nächste Impftermin fällig ist.
  • Da Impfungen beim Pferd immer einen Angriff auf das Immunsystem darstellen, ist es wichtig, dass nur gesunde Pferde einer Impfung unterzogen werden. Besteht auch nur der Verdacht, dass das Pferd gesundheitlich angeschlagen ist, sollte der Impftermin vertagt werden. Um schwerwiegende Gesundheitsprobleme vor der Impfung auszuschließen, misst der Tierarzt vor der Impfung beim Pferd routinemäßig die Körpertemperatur. Außerdem sollte der Arzt darüber informiert werden, wenn das Tier Medikamente bekommt.
  • Entwurmungen sollten nicht gleichzeitig mit der Impfung, sondern mindestens zwei Wochen vorher durchgeführt werden. Sterben durch die Wurmkur nämlich Parasiten ab, so könnte das Immunsystem Deines Pferdes in Mitleidenschaft gezogen werden, so dass es der Impfung nicht mehr (ausreichend) standhalten kann.
  • Es kann in seltenen Fällen zu Impfnebenwirkungen kommen, die zudem meistens sehr geringfügig (lokale Schwellung, Erschöpfung, kurzfristiger Temperaturanstieg oder Fieber) ausfallen.
  • Du solltest bedenken, dass jede Impfung durch das Eingreifen in das Immunsystem eine Belastung für Dein Pferd darstellt. Deshalb solltest Du ihm nach der Impfung 2-3 Ruhetage gönnen. Jeder Stress erzeugt Kortisolausschüttungen (körpereigenes Kortison), die die erwünschte Impfantwort beeinträchtigen können. Größere körperliche Anstrengungen sollten vermieden werden. Ein absolutes Stehenlassen ist aber nur notwendig, wenn es zu Fieber oder anderen Reaktionen kommen sollte.

Welche Impfungen beim Pferd gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Impfungen, die mehr oder weniger sinnvoll für Dein Pferd sind:

Wundstarrkrampf (Tetanus), Pferdegrippe (Equine Influenza), Herpes (EHV1 und EHV4), Borreliose, Tollwut, Hautpilzinfektionen (Dermatophytose), West-Nil-Fieber (WNV), Steptococcus-equi (Druse), Equine Virus Arteritis (EVA)

Die mir als wichtig bzw. unverzichtbar erscheinenden Impfungen beim Pferd habe ich textlich hervorgehoben. Auf diese möchte ich im Nachfolgenden ausführlicher eingehen. Über die anderen Impfungen kannst Du Dich informieren, indem Du dem entsprechenden Link folgst. Dabei sei erwähnt, dass die obige Aufzählung zwar schon sehr umfangreich, aber garantiert nicht abschließend ist.Dieser Beitrag informiert über die wichtigsten Impfungen beim Pferd.

Wundstarrkrampf (Tetanus)

Bei einer Tetanusinfektion handelt es sich um eine meist tödlich verlaufende Infektion mit dem im Boden vorkommenden Bakterium „Clostridium tetani“. Es besteht eine ständige Infektionsgefahr für Pferde über kleinste Wunden, beispielsweise durch Weideverletzungen an den Gliedmaßen. Wirklich gefährlich wird Clostridium tetani dann, wenn es seine Giftstoffe (Toxine) produziert. Ideal dafür sind sauerstoffarme Bedingungen, wie sie etwa in tiefen Wunden und in schlecht durchblutetem Gewebe herrschen. Im Körper blockiert das Tetanustoxin die Nervenzellen. Als Folge verkrampft die Skelettmuskulatur unkontrolliert: die Pferde stehen mit steif nach vorn gerecktem Hals und herausgestellten Beinen (Sägebockstellung). Die Infektion wirkt sich auch auf die Kaumuskulatur aus. Die Pferde können kein Futter mehr aufnehmen, nicht mehr kauen und schlucken. Irgendwann kippen sie vor Erschöpfung seitlich um. Leider kann auch mit den heutigen intensivmedizinischen Möglichkeiten nur ein sehr kleiner Teil tetanuserkrankter Pferde gerettet werden.

Impfplan:

Die Tetanusgrundimmunisierung sollte im Fohlenalter (1. Impfung ab dem 4. Lebensmonat; 2. Impfung 4-8 Woche nach 1. Impfung; 3. Impfung 12 Monate nach 2. Impfung) erfolgen. Wiederholungsimpfungen erfolgen nach der Grundimmunisierung regelmäßig alle 2 Jahre. Zuchtstuten sollten außerdem im 9. Monat der Trächtigkeit geimpft werden, damit das Fohlen in den ersten Lebensmonaten gegen Tetanus geschützt ist (passiver Immunschutz). Bei Fohlen ist deshalb auch dringend zu beachten, dass nicht zu früh grundimmunisiert wird.

Pferdegrippe (Equinus Influenza)

Bei der Pferdeinfluenza, die nahezu überall auf der Welt vorkommt, handelt es sich um eine sehr ansteckende Virusinfektion der oberen und unteren Atemwege des Pferdes. Auslöser der Pferdegrippe sind Influenza-A-Viren, die sich via Tröpfcheninfektion übertragen. Das bedeutet, dass sich die Pferde über ihren Husten, im Speziellen über das Hustensekret in der Luft, gegenseitig anstecken können. Das von der Influenza betroffene Pferd leidet unter Fieber (Schübe, die bis auf 42 °C ansteigen können) und Husten. Letzterer zeigt sich am Anfang trocken und schmerzhaft, später feucht und mit Auswurf. Hinzu können Atemprobleme und Nasenausfluss kommen. In besonders schweren Fällen verweigert das Pferd sein Futter und zeigt sich apathisch. Die Behandlung der Pferdegrippe beinhaltet in erster Linie die Schonung des Pferdes. Da es bislang keine medikamentöse Therapie gegen die Influenza-A-Viren gibt, ist es wichtig, die Symptome zu lindern. Eine Antibiotika-Behandlung kann sinnvoll sein, um eine zusätzliche Erkrankung durch Bakterien zu vermeiden. Die Prognose der Pferdeinfluenza hängt vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Pferdes sowie den Pflege- und Haltungsbedingungen ab. Stehen alle Faktoren günstig, heilt die Pferdegrippe in der Regel innerhalb 3 Wochen ab. Nach erfolgreicher Heilung sollte das Pferd weitere Wochen geschont und auf keinen Fall anstrengender Arbeit unterzogen werden. Die Pferdeinfluenza verläuft selten tödlich, es sei denn durch mangelnde Pflege und Schonung treten Folgeinfektionen auf. Dann kann die Sterberate höher sein.

Impfplan:

Zum Aufbau einer Immunität ist eine dreimalige Impfung nach dem 1. Lebensjahr empfohlen. Die ersten beiden Impfungen beim Pferd sollten einen Abstand zwischen 4-6 Wochen haben. Die dritte Impfung sollte nach maximal 6 Monaten erfolgen. Ab dann gilt das Pferd als vollständig grundimmunisiert. Die Wiederholungsimpfungen für Influenza sind alle 12 Monate notwendig. (Bei Turnierteilnahmen verkürzt sich das Intervall der Auffrischungsimpfungen auf 6 Monate, siehe oben.)

Herpes (EHV1 und EHV4)

Auch Herpes wird durch Viren (Equine Herpes Viren; EHV) ausgelöst, von denen es vier verschiedene Typen gibt, die unterschiedliche Erkrankungen auslösen. Impfstoffe gibt es nur gegen den Typ 1 und Typ 4. EHV-1 stellt vor allem für tragende Stuten eine Gefahr dar, da eine Infektion zum Abort führen kann. Pferde, die sich mit EHV-4 infiziert haben, leiden hingegen unter Atemwegserkrankungen. Im schlimmsten Fall können beide Virustypen das Nervensystem schädigen, was von Bewegungsstörungen bis hin zum Festliegen und Tod der Pferde führen kann. Das Tückische ist, dass die Herpesviren lebenslang im Körper bleiben können ohne jemals eine Erkrankung hervorzurufen. Forscher gehen davon aus, dass ca. 80 % der gesamten Pferdepopulation Herpesviren in sich tragen. Du solltest wissen, dass der erhältliche Impfstoff keinen 100 %-igen Schutz bieten kann. Und dennoch oder gerade deswegen ist der beste Schutz gegeben, wenn der gesamte Pferdebestand im Idealfall mit Impfstoffen immunisiert wird, die die aktuellen Virusstämme abdecken. Da geimpfte Pferde weniger Viren ausscheiden,  verringert man das Risiko, dass auch schon bereits geimpfte Pferde sich anstecken oder erkranken.

Impfplan:

Zur Grundimmunisierung ist lediglich eine zweimalige Impfung notwendig . Die erste Injektion sollte ab dem 6. Lebensmonat erfolgen und die zweite Behandlung im Abstand von 3-4 Wochen nach der ersten Impfung. Die Wiederholungsimpfungen sind schließlich halbjährlich durchzuführen.

Borreliose

Tückisch beim Zeckenstich und einer eventuell daraus resultierenden Borreliose ist, dass Zeckenbisse oft aufgrund der großen Körperfläche des Pferdes unbemerkt bleiben und eine konkrete Diagnose wegen der unspezifischen Symptome schwierig ist. Die beim Menschen sichtbare, typische Wanderröte wird beim Pferd wegen des Fells meist nicht erkannt. Hauptüberträger von Borreliose-Bakterien in Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Im Schnitt ist hierzulande ein Drittel der Zecken mit Borreliose-Bakterien infiziert. Antikörper gegen Borrelien werden daher relativ häufig bei 16 bis 30 Prozent der Pferde festgestellt, was allerdings nicht bedeutet, dass es auch zum Ausbruch der Krankheit kommen muss. Nur ein kleiner Teil der infizierten Tiere entwickelt tatsächlich Symptome. Bricht die Infektion aus, geht das Pferd zu Beginn der Krankheit oft steif und wiederstrebend, später lahmt und humpelt es und seine Gelenke entzünden sich und schwellen an. Eine bereits fortgeschrittene Borreliose kann in sehr seltenen Fällen das Zentralnervensystem, d.h. auch Hirn und Rückenmark, angreifen. Dies zeigt sich, indem das Tier seinen Kopf schief hält, Ataxie (Koordinationsschwierigkeiten) aufweistund gegebenenfalls unter Schluckbeschwerden leidet. Auch Muskelschäden und Augenentzündungen können Symptome der Borreliose sein. Wie bei vielen Krankheiten können Leistungsabfall, Fieber, Antriebslosigkeit, fehlender Appetit und infolgedessen Abmagerung ernstzunehmende Symptome einer Borrelioseerkrankung sein. In Einzelfällen wird auch von Todesfällen durch Borreliose beim Pferd in der Presse berichtet. Die eigentliche Krankheit kann Tage, aber auch Monate nach der Infektion ausbrechen. Behandelt wird mit einem Antibiotikum über mehrere Wochen. Während der Weidesaison sollten Pferde möglichst täglich nach Zecken abgesucht und die Parasiten mit einer geeigneten Zange entfernt werden, denn Zecken können Borrelien erst nach 24-48 Stunden „erfolgreich“ auf das Pferd übertragen. In der Zwischenzeit werden zur aktiven Prophylaxe Impfungen beim Pferd empfohlen. Diese funktionieren, indem die bei der Impfung gebildeten Antikörper beim Blutsaugen von der Zecke aufgenommen werden. Dabei unterbinden sie in der Zecke die Borrelien-Wanderung von der Zecke in die Haut des Pferdes.

Impfungen beim Pferd können hochansteckende Krankheiten vermeiden.Impfplan:

Für die Grundimmunisierung werden 2 Dosen im Abstand von 2-3 Wochen ab der 12. Lebenswoche verabreicht und für die Auffrischungsimpfung eine Dosis jährlich (im Idealfall vor Beginn der Zeckenzeit). Mit einem wirksamen Schutz ist etwa ab einem Monat nach der Grundimmunisierung zu rechnen.

Steptococcus-equi (Druse)

Druse ist eine hochgradig ansteckende bakterielle Infektionserkrankung, ausgelöst durch den Erreger Streptococcus equi. In der Regel infizieren sich Pferde zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr mit der Druse, bei älteren Tieren kommt es eher selten zu einer Erkrankung. Die Inkubationszeit liegt bei bis zu zehn Tagen, in einigen Fällen kann die Krankheit auch bereits nach drei Tagen ausbrechen. Während der Inkubationszeit ist das betroffene Pferd bereits Überträger der Krankheit und stellt ein Risiko für seine Artgenossen dar. Dies ist unter gewissen Umständen auch nach einer vermeintlich überstandenen Druse problematisch, da auch äußerlich gesund erscheinende Tiere nach einer Infektion durchaus noch für mehrere Monate die Krankheit weitergeben können. Die Bakterien setzen sich in den Lymphknoten im Kehlbereich und der oberen Halsregion fest und führen an diesen Stellen zu gut sicht- und fühlbaren Schwellungen, an denen das Pferd mit Schmerz auf Berührung reagiert. Nicht selten bekommen erkrankte Pferde Husten, Atemnot und (teils eitrigen) Nasenausfluss. Während diese Symptome nicht immer alle auftreten müssen, geht die Krankheit jedoch immer mit Fieber von über 40° C einher. Druse wird über die Atemluft, den Speichel sowie den Nasenausfluss übertragen. Außerdem ist häufig der Mensch selbst unbewusst Überträger dieses Bakteriums, durch Kontakt mit betroffenen Tieren, die aber noch keine klinischen Symptome zeigen, bzw. durch Handhabung mit kontaminierter Ausrüstung und Pflegeutensilien. Wird die Druse nicht konsequent therapiert, kann sie zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Bedingt durch die Lymphschwellungen verengt sich der Rachenraum und behindert die Atmung. Der linke Kehlkopfnerv kann gelähmt werden und das Kehlkopfpfeifen verursachen. In den Luftsäcken entstehen womöglich Abzesse, die in schweren Fällen Metastasen im Gehirn, in Gelenken, in der Leber, der Lunge und den Nieren bilden und dann lebensbedrohlich sind. Die medikamentöse Therapie zur Bekämpfung von Druse stützt sich auf hochdosierte Penicillin-Präparate in Verbindung mit Mitteln zu Verbesserung des Allgemeinzustands. Ein Impfstoff gegen Druse, der in die Innenseite der Lippe gespritzt wird, ist verfügbar. In wie weit es sinnvoll ist, Dein Pferd gegen Druse impfen zu lassen, solltest Du mit Deinem Tierarzt besprechen. Gerade bei der Druse-Impfung gehen die Meinungen weit auseinander, ob eine Immunisierung eines gesunden Pferdes angebracht ist. An der Impfstelle kann es zu Pustelbildung und zum Anschwellen der Oberlippe kommen. Diese Reaktionen verschwinden in der Regel nach einigen Tagen, ohne sich auf das Allgemeinbefinden des Pferdes auszuwirken.

Impfplan:

Die Grundimmunisierung kann nach vorheriger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt ab dem 4. Lebensmonat erfolgen. Hierbei folgt die zweite Impfung im Abstand von 4 Wochen zu der ersten Injektion. Die Wiederholungsimpfungen sollten alle 3 (stark gefährdete Pferde ) bzw. alle 6 Monate vorgenommen werden.




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