Huflehre

Die nachfolgende kleine Huflehre soll allen Nicht-Profis und Laien einen verständlichen Einstieg in das sehr komplexe Thema „Pferdehufe“ ermöglichen. Deshalb werden folgende Fragen so knapp wie möglich, jedoch so verständlich wie nötig beantwortet:

  • Wie ist der Huf aufgebaut?
  • Welche Fachbegriffe aus der Huflehre sollte man schon mal gehört haben und was steckt genau dahinter?
  • Worauf kommt es beim gesunden Pferdehuf an?

Die Huflehre ist ein sehr komplexes Fachgebiet.Wie ist der Huf aufgebaut?

Der Huf ist ein Horngebilde, das das Zehenendglied umschließt und anatomisch gesehen dem menschlichen Fingernagel entspricht.

An dieser Stelle möchte ich den Huf aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Und um Dir und mir das Leben einfacher zu machen, habe ich zwei Fotos mit den verschiedenen, anatomischen Bestandteilen des Pferdehufs beschriftet.

  1.  Der Pferdehuf von vorne, seitlich:Mit diesem Bild beginnt die kleine Huflehre.
  2.  Der Pferdehuf von unten:

2. Bild der Huflehre: Pferdehuf von untenDer Huf besteht – vergleichbar mit den Fingernägeln beim Menschen – aus Horn. Dabei ist das Horn im Strahlbereich am Weichesten und im sogenannten Tragrand am Härtesten. Entgegen seiner starren Optik ist der Pferdehuf in sich beweglich und elastisch. Das heißt, er hat die wichtige Fähigkeit, sich beim Aufsetzen ausdehnen und beim Abheben zusammenziehen zu können. Diese Tatsache wirkt federnd und somit gelenkschonend.

Kron- und Hufgelenk sind Sattelgelenke und ermöglichen somit neben Wechselbewegungen auch Dreh- und Seitwärtsbewegungen. Fesselbein, Hufbein, Strahlbein und Hufknorpel sind durch einen äußerst komplexen Bandapparat miteinander verbunden.

Welche Fachbegriffe aus der Huflehre sollte man schon mal gehört haben und was steckt genau dahinter?

Da dieser Beitrag eine „kleine“ Huflehre darstellen soll, habe ich mich ganz bewusst auf 10 Begriffe limitiert, die mir ganz spontan beim Brainstorming zum Thema „Hufe“ eingefallen sind. Ich habe diese alphabetisch sortiert.

Barhuf

Heutzutage wird das durchschnittliche Freizeitpferd in einem so geringen Maß belastet, dass ein Hufschutz in den meisten Fällen nicht nötig ist. Dass trotzdem immer noch die meisten Pferde beschlagen werden, ist eher der Tradition als einer tatsächlichen Notwendigkeit geschuldet. (Wikipedia)

Bockhuf

Der Bockhuf wird auch Sehnenstelzhuf genannt und bezeichnet eine Fehlstellung, die bei den Gliedmaßen von Pferden vorkommen kann. Der Huf ist derart unnatürlich und steil geformt, dass eine normale Belastung und Nutzung in extremen Fällen nicht möglich ist. Der Bockhuf zeigt dabei eine fast senkrecht zum Erdboden gehende Zehenwand und steile Trachtenenden, die nahezu gleich hoch sind wie die Zehenwand. Von einem Bockhuf wird gesprochen wenn die Zehenwand gegenüber dem Boden einen Winkel > 60° hat.

Hornspalt

Unter dem Hornspalt versteht man einen mehr oder weniger vertikal verlaufenden Riss in der Hornwand, der rein oberflächlich sein, aber auch bis auf die Huflederhaut reichen und dort Entzündungen verursachen kann. Je nach Lage spricht man von Kronrand-, Tragrand- oder durchgehenden Spalten.

Die Behandlungsmöglichkeiten variieren sehr stark je nach Tiefe und Lokalisation der Spalten. Ursächlich für Hornspalten können eine mangelhafte Hornqualität, eine schlechte Hufstellung oder gar ein inadäquater Hufbeschlag sein.

Hufgeschwür

Ein Hufgeschwür ist die häufigste Lahmheitsursache unserer Pferde überhaupt. Allerdings handelt es sich bei der Erkrankung nicht um ein „Geschwür“ im eigentlichen Sinne, sondern um eine Entzündung, die entweder durch Bakterien oder aber durch unphysiologische (krankhafte) Druck- und Durchblutungsverhältnisse im Huf verursacht wird. Bakterien gelangen oft in den Huf, indem sich das Pferd einen Fremdkörper eintritt. Die Erkrankung kann häufig zur Eiterbildung und nicht selten zu Abzessen führen.

Huflederhaut

Die Huflederhaut (das sogenannte “Leben”) ist sehr gut durchblutet. Sie besteht im Wesentlichen aus 5 verschiedenen Teilen und produziert das für den jeweiligen Bereich spezifische Horn.

Huforthopäde

Ein Huforthopäde bearbeitet den unbeschlagenen Barhuf Deines Pferdes in der Art und Weise, dass die Hufe die Möglichkeit haben, sich in eine, den eigenen Vorbelastungen entsprechende, physiologische Form zu laufen.
Zu diesen Vorbelastungen gehören unter anderem diverse Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Hufe sowie individuelle Bewegungsvorlieben/-anomalien. Die Bearbeitungsintervalle eines Huforthopäden liegen durchschnittlich in 4-wöchigem Abstand. Dieses Zeitintervall ist nötig, um den Abrieb und die damit wieder veränderte Wandstärke/-höhe zu überprüfen und die huforthopädische Arbeit zu erneuern.

Hufrehe

Hierbei handelt es sich um eine hochgradig schmerzhafte und die Bewegung beeinträchtigende Entzündung der gesamten Lederhaut, die ohne erfolgreiche Behandlung letztendlich zur Drehung oder Absenkung des Hufbeines und zum sogenannten Ausschuhen führen kann. Dabei stellen die pathologischen Vorgänge am Huf lediglich eine lokale Äußerung einer systemischen metabolischen (allgemeinen Stoffwechsel-) Störung dar. Kurz gesagt: Rehe entsteht nicht im Huf, sondern im Blut!

Die chronische Hufrehe gilt als Begleitung des Equinen Metabolischen Syndroms (EMS) und des Equinen Cushing Syndroms (ECS). Bei der akuten Hufrehe wird von der einmaligen Aufnahme einseitiger Nährstoffmengen als Ursache ausgegangen. Neben der Futterrehe gibt es je nach Auslöser der Huferkrankung auch noch die Belastungsrehe, die Geburtsrehe und die Vergiftungsrehe.

Hufschmied

Der Hufschmied verpasst jedem Pferd das passende Schuhwerk; ob Rundeisen, Alueisen oder klassisches Hufeisen und obwohl sich die Berufsbezeichnung von „schmieden“ ableitet, kümmert sich der Hufschmied auch um die Behandlung der sogenannten „Barhufer“. Um die Hufe fachgerecht schneiden und beschlagen zu können, muss der Hufschmied auf dem äußerst komplexen Gebiet der Huflehre ausgebildet sein. Im Durchschnitt wird der Hufschmied in regelmäßigen Abstanden von 6 bis 8 Wochen bestellt.

Strahlfäule

Die Strahlfäule ist eine bakterielle Erkrankung des Hufes, bei der das weiche Strahlhorn durch Fäulnisbakterien zersetzt wird. Ursächlich für die Krankheit sind vor allem Haltungsmängel und mangelnde Hufpflege. Das Horn kann bis auf die Lederhaut verändert sein, wodurch Lederhautentzündungen und infolgedessen Lahmheiten auftreten können. Auch wird das Eindringen von Fremdkörpern in den Huf durch Strahlfäule begünstigt, so dass eine erhöhte Gefahr von schweren Infektionen besteht. Da der Strahl als eine Art Stoßdämpfer dient, leidet der gesamte Hufmechanismus, wenn der Strahl angegriffen und krank ist. Neben dem Abstellen der Haltungsmängel wird die Strahlfäule durch das Entfernen des angegriffenen Horns und durch den Einsatz desinfizierender Arznei- und Pflegemittel behandelt. (Das eigene Pferd – Strahlfäule erkennen und behandeln)

Zwanghuf

Bei Zwanghufen ist die Hufkapsel (Hornschuh) verengt. Sie wird beim Auffußen, d.h. bei Belastung enger anstatt weiter und „zwängt“ Blutgefäße, Nerven, Knochen, Knorpel, Sehnen und Bänder im Inneren des Hufes ein. Dies führt zu Quetschungen und Entzündungen der vorderen seitlichen Wandlederhaut, der Sohlenlederhaut und von Teilen des Hufknorpels. Außerdem kommt es zu äußerst schmerzhaften Ballenquetschungen. Die Behandlung des Zwanghufs, d.h. die Umformung zum „normalen“ Huf kann unter Umständen, je nach Schweregrad der Deformation, gar Monate und Jahre dauern.

Worauf kommt es beim gesunden Pferdehuf an?

Ich muss gestehen, mich haut dieses wahnsinnig komplexe und gleichzeitig so essentielle Thema der Huflehre jedes Mal wieder von Neuem um und ich finde, gerade auf dem Gebiet der Huflehre kann und sollte man niemals auslernen. Nicht umsonst gibt es das alte Sprichwort „Ohne Huf kein Pferd“, was uns einfach nur lehren soll, dass die Hufe das A und O der Pferdegesundheit darstellen.

Letzten Endes kommt es darauf an, gesunde Hufe zu erkennen und zu fördern und dies gelingt Dir, wie folgt:

Ein gesunder Huf kann ohne Schmerzen über JEDEN Boden gehen. Er hat naturgerade Wände und sollte weder zu trocken noch zu feucht sein. Wenn die Hufe Deines Pferdes brüchig sind oder schnell absplittern, oder gar nass sind und faulig riechen, ist dies ein Zeichen, dass mit den Hufen Deines Pferdes nicht alles in Ordnung ist. Hier solltest Du sowohl die Hufpflege als auch die Haltung Deines Pferdes überprüfen und verbessern.

Der Wandaufbau zeigt eine intakte, geschlossene, hellgelbe Lamellenschicht (die sog. “weisse Linie”), in der sich weder Steinchen noch Dreck sammeln können, weil sie geschlossen ist. Die Sohle weist beim gesunden Pferdehuf eine natürliche Wölbung auf, die sich vom äußeren Rand der Sohle bis in die Mitte an den Strahl hineinwölbt, ohne mit dem Messer hineingeschnitten worden zu sein. Der Strahl ist breit und gesund, frei von Pilz und Fäulnis.

Sind die vorangehenden Punkte erfüllt, steht ein gesunder Pferdehuf unter dem Schwerpunkt des Pferdekörpers und nimmt gleichmäßig Gewicht auf.

Zum Schluss möchte ich Dir noch eine Reihe an wirklich top bewerteten Ratgebern mit an die Hand geben. Ich denke, was die Hufe unserer Pferde anbelangt, kann man gar nicht schlau genug sein 🙂



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