Wenn Du einen Pferdeanhänger fahren willst, gibt es einiges zu beachten.

Mit dem Pferd von A nach B: Du möchtest Pferdeanhänger fahren?

Du möchtest im Notfall nicht darauf angewiesen sein, dass Dich und Dein Pferd jemand anderes in die Pferdeklinik transportiert? Oder Du möchtest mit Deinem Pferd mehr erleben als tagtäglich nur den heimischen Stall zu sehen und auf dem gewohnten Terrain zu trainieren? Ich glaube irgendwann kommt jeder Pferdebesitzer an den Punkt, an dem er sich fragt, wie es wohl wäre, selbst einen Pferdeanhänger fahren zu können. In diesem Beitrag möchte ich kurz und übersichtlich die bei diesen Überlegungen am häufigsten auftretenden Fragen beantworten. Wenn Du Dir einen Anhänger mieten oder gar anschaffen möchtest, gibt es so einiges zu beachten. Ebenso was das Pferdeanhänger fahren an sich anbelangt. Denn Sicherheit – sowohl für Tier und Mensch, aber auch finanziell – sollte an oberster Stelle stehen.

Wenn Du Pferdeanhänger fahren möchtest, solltest Du richtig vorbereitet sein.

Wird eine besondere Fahrerlaubnis benötigt, wenn man einen Pferdeanhänger fahren will?

Mit einem Führerschein der Klasse B darf mit Anhänger gefahren werden,  sofern das zulässige Gesamtgewicht (also Fahrzeug und Hänger gemeinsam) 3.500 kg nicht überschreitet. Außerdem darf die Anhängelast des Autos natürlich nicht überschritten werden. All das ist relativ leicht auszurechnen, wenn Du die Fahrzeugscheine von Anhänger und Auto zur Hand hast. In der Regel bringt ein mit einem Pferd beladener Hänger jedoch deutlich mehr als 3,5 Tonnen auf die Waage. Durch die Neuregelungen der Führerscheinklassen Anfang 2013 ist es nun jedoch möglich, sich nach einer entsprechenden theoretischen und praktischen Fahrschulung ohne Prüfung die Schlüsselzahl 96 eintragen zu lassen. Hiermit darf ein Gesamtgewicht von bis zu 4.250 kg bewegt werden. Da keine Führerscheinprüfung anfällt, ist der B96 deutlich günstiger als die Führerscheinklasse BE. Wenn Du allerdings auf Nummer sicher gehen möchtest und eventuell auch mal 2 Pferde transportieren möchtest, dann ist der Anhängerführerschein BE zu empfehlen. Dieser erlaubt, einen Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen zu ziehen. Die einzige Beschränkung stellt die Anhängelast des Autos dar, die durch das Gesamtgewicht von Pferd und Anhänger nicht überschritten werden darf. Theoriestunden sind für den BE-Führerschein nicht notwendig, allerdings Praxisstunden und auch eine praktische Fahrprüfung, bei der der Prüfer durchaus auch die ein oder andere theoretische Frage stellen kann. Auf diese wird man allerdings vom Fahrlehrer während der Fahrstunden vorbereitet.

Beispiel anhand eigener Daten mal kurz durchgerechnet

Mein Auto hat laut Papieren eine zulässige Anhängelast von 1.200 kg. Das ist nicht sehr viel 🙁 Der Böckmann Uno Pferdeanhänger aus Holz für den Transport von einem Pferd (plus evtl. einem Fohlen) hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 1.600 kg und eine maximale Tragkraft von 848 kg. Folglich hat der Anhänger ein Leergewicht von 752 kg. Wichtig: Bei der Ermittlung der Anhängelast ist das tatsächliche, nicht das zulässige Gewicht ausschlaggebend. Angenommen meine Stute hat ein Gewicht von 400 kg (ich weiß es leider nicht), käme ich auf ein Gesamtgewicht des Anhängers von 1.152 kg. Ungeachtet weiteren Equipments (Futter, Sattel usw.), das man je nach Anlass auch noch mitschleppt, ist mir persönlich diese Rechnung schon viel zu knapp, um mit einem guten Gefühl einen Anhänger samt Pferd an meinem PKW anzuhängen. Außerdem hat mein Auto ein Leergewicht von 1.370 kg, das heißt ich würde auch schon haarscharf an dem oben erwähnten Gesamtgewicht (PKW + Hänger) von 3,5 Tonnen kratzen bzw. da ich mich und andere Mitfahrer bei der Berechnung nicht vergessen darf, würde ich das Gesamtgewicht definitiv überschreiten. Durch diese Überlegungen ist eigentlich schon klar, dass man Minimum den Führerschein B96 braucht, um überhaupt einen Pferdeanhänger fahren zu können.

Welche Versicherung benötigt man für einen Pferdeanhänger?

Mit dem BGH-Urteil vom 27.10.2010 kam eine neue Rechtsprechung zum Tragen: Zugfahrzeug und Anhänger sind bei einem Unfall gleichgestellt und haften somit gesamtschuldnerisch. Dies bedeutet, wenn ein Auto mit angehängtem Anhänger einen Unfall verursacht, zahlt die Hälfte der Unfallkosten die Versicherung des Zugfahrzeugs, die andere Hälfte die Versicherung des Anhängers. Ist der Anhänger nicht versichert, trägt der Halter des Anhängers die Kosten! Da es sich bei Verkehrsunfällen sehr oft um hohe Summen handelt, ist die eigene finanzielle Existenz sehr schnell bedroht. Daher sollte jeder, der einen Anhänger besitzt, zumindest eine Haftpflichtversicherung dafür haben, wenn er sicherstellen will, nicht mit seinem Privatvermögen zu haften.
Es ist auch unerheblich, wer der Fahrer des Zugfahrzeuges war. Der Halter des Hängers haftet, auch wenn er ihn verliehen hatte. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Augen auf, ob und wem Du Deinen Hänger ausleihst! Neben der Haftpflicht kann auch ein zusätzlicher Versicherungsschutz in Form einer Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen werden. Die Teilkaskoversicherung kann sich in der Praxis als äußerst nützlich erweisen. Sie greift beispielsweise bei Elementarschäden wie Hagel oder Sturm. Darüber hinaus zahlt die Teilkasko unter anderem auch bei Diebstahl, Schäden bei Zusammenstoß mit Tieren, Elementarschäden inklusive Lawinenschäden sowie im Fall eines Brands. Zusätzlich zu allen Leistungen der Teilkasko ist Dein Anhänger mit der Vollkasko auch gegen Vandalismus geschützt, also gegen mut- oder böswillige Beschädigungen, die durch Fremde verursacht wurden. Die Vollkasko bezahlt auch die Schäden an Deinem Anhänger, die durch Dich selbst entstanden sind, etwa durch einen selbstverschuldeten Unfall. Und: Jeder macht mal einen Fehler! 😉

Ist Anhänger fahren für die Pferde Stress?

Ich denke, diese Frage kann so pauschal nicht beantwortet werden. Ob Dein Pferd bei der Hängefahrt besonders gestresst ist, hängt sehr stark vom Charakter und der Nervenstärke Deines Pferdes ab. Außerdem kommt es darauf an, ob es diese besondere Situation gewohnt ist. Von daher würde ich Dir empfehlen, immer mal wieder zwischendurch „Hängertraining“ zu veranstalten. So kannst Du sicher gehen, dass Dein Pferd im Notfall überhaupt auf den Hänger geht. Fakt ist, Herz- und Atemfrequenz steigen bei allen Pferden während des Transportes deutlich an. Am heftigsten steigen die Frequenzen kurz nach Beginn der Fahrt. Selbst erfahrene Pferde haben leichten Stress, was sich durch verstärkten Kotabsatz bemerkbar macht. Andere Anzeichen von Stress sind: Umsehen, Schwitzen, Zittern und Harnabsatz. Grundsätzlich wird die Belastung für das Pferd während des Transports gerne unterschätzt. Du musst bedenken: Während der gesamten Fahrt im Anhänger steht Dein Pferd fast vollkommen frei. Es hat keine Möglichkeit, sich festzuhalten und es sieht und weiß auch nicht, wann das nächste Holpern oder das nächste Abbremsen kommt. Pferdeanhänger fahren ist für unsere Tiere somit auch körperlich sehr anstrengend. Sie müssen sich ständig ausbalancieren und beanspruchen somit ihre gesamte Muskulatur. Langsames und vorausschauendes Fahren helfen Deinem Pferd den Stress und die körperliche Anstrengung zu reduzieren!

Was gibt es sonst noch so beim Pferdeanhänger fahren zu beachten?

Bei längeren Fahrten solltest Du spätestens nach 2 Stunden eine Pause einlegen, um Deinem Pferd Wasser anzubieten. Danach sollte es zügig weiter gehen, denn Du solltest nie das Ziel aus den Augen verlieren. Erst am Zielort angekommen, kann Dein Pferd sich langsam aber sicher entspannen und von den Strapazen erholen.

Außerdem sollte während der Hängerfahrt immer ein Heunetz angeboten werden. So ist das Pferd abgelenkt und kann sein natürliches Bedürfnis nach Raufutter-Naschub befriedigen. Du solltest darauf achten, dass das Heunetz nicht zu tief gebunden ist, um zu verhindern, dass das Pferd mit den Hufen darin hängen bleibt.

Grundsätzlich solltest Du Dein Pferd für die Fahrt so kurz wie möglich und so lang wie nötig anbinden. Das Pferd sollte sich nicht drehen oder ein Bein über den Strick heben können. Gleichzeitig sollte das Pferd aber noch die Möglichkeit haben, sich mithilfe von Kopf und Hals auszubalancieren.

Viele stellen sich die Frage, ob sie das Pferd während der Fahrt eindecken sollen. Wie so oft scheiden sich bei dieser Frage die Geister der Pferdebesitzer. Ich würde die Antwort auf diese Frage, von Rasse, Haltung, Wetter sowie Gesundheits- und Fitnesszustand Deines Pferdes abhängig machen. Ein hochtrainiertes Pferd aus Boxenhaltung muss wohl eher eingedeckt werden als ein Islandpony, das im Offenstall lebt. Grundsätzlich verursacht das Eindecken des Pferdes zusätzlichen Stress, wenn es dies nicht aus seinem Alltag gewohnt ist.

Und somit wäre ich mit meinem kleinen Ausflug zum Thema „Pferdeanhänger fahren“ auch schon wieder am Ende. Selbstverständlich könnte man hierzu noch jede Menge schreiben. Aber ich schlage vor, wir vertagen das Thema in die Kommentare 😉 Lass mich bzw. uns gerne an Deinen Erfahrungen bezüglich Pferdeanhänger fahren teilhaben.

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