Koppen macht süchtig!

Koppen ist ein Hilferuf und macht süchtig!

Da meine Isi-Stute selbst Kopperin ist und ich mich sehr viel mit dem Thema beschäftigt und Unmengen darüber gelesen habe, möchte ich heute einen kurzen Beitrag über das Koppen verfassen. Hiermit möchte ich all denen, die noch nie etwas vom Koppen gehört haben oder die erst seit Kurzem mit dieser Verhaltensstörung konfrontiert sind, ein bißchen Licht ins Dunkel bringen. Auch mit Gerüchten und Mythen in Sachen Koppen (und davon kursieren so einige unter den „Pferdeprofis“ an heimischen Ställen) möchte ich an dieser Stelle aufräumen.

Koppen ist ein Hilferuf

Koppen ist eine Verhaltensstörung des Pferdes und zählt wie das Weben zu den Stereotypien.

Koppen bezeichnet das Öffnen des Schlundkopfes durch Anspannen der unteren Halsmuskulatur, woraufhin Luft in die Speiseröhre einströmt. Dabei entsteht meist ein deutlich hörbares Geräusch, ähnlich einem Rülpser beim Menschen. Man unterscheidet zwei Formen des Koppens. Beim Aufsetzkoppen setzt das Pferd die oberen Schneidezähne auf einen Gegenstand geeigneter Höhe auf, wobei der Hals stark gebogen wird. Dies kann die Futterkrippe (daher auch der Begriff „Krippensetzer“), ein Balken oder Ähnliches sein. Manche Pferde erfassen den Gegenstand auch mit den Zähnen. Beim Freikoppen bewegt das Pferd seinen Kopf erst zur Brust und dann in einer ruckartigen Bewegung nach vorne. Aufsetzkopper kommen weitaus häufiger vor. (https://de.wikipedia.org/wiki/Koppen)

Was sind die Ursachen für diese Verhaltensstörung?

Schlechte Haltung und falsches Training führen häufig zu Stress und dieser fördert nachweislich die Entwicklung der Stereotypie des Koppens. Entwickelt ein Pferd allerdings diese Verhaltensstörung kommen in der Regel mehrere Faktoren zusammen. So scheint es zusätzlich eine erbliche Komponente zu geben, die sich allerdings lediglich auf die Sensibilität gegenüber Stress bezieht und nicht auf das Koppen selbst. Bei Pferden mit genetischer Vorbelastung kann ein einschneidendes Ereignis wie beispielsweise die Trennung von vierbeinigen Freunden, ein Unfall oder ein zu frühes/fehlerhaftes Absetzen das Koppen auslösen. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse einer englischen Studie von 2002 auf einen Zusammenhang zwischen Magenproblemen (Übersäuerung, Geschwüre) und Koppen hin. Magenprobleme entstehen vor allen Dingen durch Stress und ein falsches Futtermanagement, wie zum Beispiel zu viel Kraft- und zu wenig Raufutter.

Man geht inzwischen davon aus, dass Koppen für die Pferde wie eine Droge ist. Körpereigene Opiate werden freigesetzt, die sowohl in Stress- als auch in euphorischen Glücksmomenten beruhigend auf das Pferd wirken. Kommen Magenprobleme hinzu, verschafft das Koppen zudem durch die mit ihm einhergehende Erhöhung der Speichelproduktion Linderung.

Kann man etwas gegen das Koppen unternehmen?

Leider zeigen jahrelange Kopper selbst unter besten Haltungs-,  Fütterungs- und Trainingsbedingungen weiterhin die Stereotypie, da das Koppen durch die Einwirkung und Veränderung im zentralen Nervensystem hohen Suchtcharakter hat. Allerdings können optimierende Maßnahmen zu einer (starken) Reduzierung des Koppens führen und sind zudem auch einfach notwendig um die Ursachen zu beseitigen und die Situation des Pferdes zu verbessern. Dafür gilt es, Langeweile aber auch Überforderung vorzubeugen und im Idealfall rund um die Uhr Raufutter anzubieten, damit sich die Pferde mit Fressen beschäftigen können. Ich verwende ein engmaschiges Heunetz, das ich jeden Abend fülle, um zu lange Fresspausen über Nacht (über 4 Stunden) zu vermeiden. Meine Stute findet es offensichtlich klasse! Zusätzlich kann man dem Pferd Spielzeuge anbieten.

Seit bei meiner Stute Magengeschwüre diagnostiziert und auch erfolgreich therapiert wurden, verabreiche ich täglich zur Vorsorge und selbstverständlich nach Rücksprache mit dem Tierarzt das magensäureneutralisierende Zusatzfutter „Acid protect„.

Diverse Mittel, wie übel schmeckende Pasten auf Kanten, Elektrodraht oder Kopperriemen sind absolut nicht zu empfehlen. Sie rufen völlig berechtigt gleich den Aspekt des Tierschutzes auf den Plan und bekämpfen, wenn überhaupt nur die Symptome. Diese  Maßnahmen zeigen keinen dauerhaften Erfolg. Pferde, denen man die Möglichkeit zum Aufsetzen nimmt, gehen häufig irgendwann zum Freikoppen über. Zudem wird das Koppen nur so lange abgestellt, wie die Zwangsmaßnahme dauert. Eine Studie zeigte beispielsweise, dass ein Kopper, den man drei Jahre lang ohne Möglichkeit zum Aufsetzen hielt, sofort wieder anfing zu Koppen, als man ihm eine entsprechende Kante bot.

Eine endgültigere „Lösung“ soll die sogenannte Kopper-OP sein, eine Operation bei der drei Halsmuskeln und ein Nerv im Hals des Pferdes durchtrennt werden, die für das Koppen notwendig sein sollen. Hier sollte man jedoch wissen, dass diese OPs keine 100%ige Erfolgsrate haben. Die Chancen einer solchen OP liegen bei 60-90 %. Allerdings kann das Koppen nach einiger Zeit wiederkommen. Zudem sollte man sich auch fragen, ob die Natur sich wohl wirklich nichts beim Anlegen dieser Muskeln und Nerven gedacht hat und diese überflüssig sind? Also wäre auch diese Maßnahme für mich nie im Leben eine Option!

Man muss bedenken, dass das Pferd nicht ohne Grund koppt! Folglich ist es die Aufgabe des Pferdemenschen, nicht die Symptome, sondern die Ursachen zu bekämpfen und das heißt in erster Linie für eine artgerechte Haltung zu sorgen. Wer nur das Symptom bekämpft, bereitet dem Pferd zusätzlichen Stress und riskiert, dass es sich in seiner Not in eine andere Verhaltensstörung flüchtet.

Gerüchte und Mythen rund ums Koppen

  • Koppen „steckt an“! Selbt heute sind noch viele Pferdeleute der Meinung, dass Pferde sich das Koppen gegenseitig abschauen und nachahmen. Diese Theorie ist schlichtweg Blödsinn! Wenn in einem Stall mehrere Pferde koppen, hängt das eher mit den für alle gleichermaßen unzulänglichen Haltungsbedingungen zusammen. Bei artgerechter Haltung braucht man sich also keine Sorgen zu machen.
  • Koppen verursacht Koliken! Diese Aussage beruht auf der Annahme, dass sich durch die geschluckte Luft Gase im Magen-/Darmtrakt ansammeln. Bei Untersuchungen hat sich allerdings gezeigt, dass die meiste Luft durch den Rachen wieder ausströmt und nur ein sehr kleiner Teil im Magen landet. Es handelt sich wohl eher um eine Überschneidung von Symptomen, dass Kopper häufiger an Kolik leiden. Nervöse und unzufriedene Pferde suchen häufiger das Stressventil Koppen und neigen eher zu Koliken. Bei Aufsatzkoppern sind allerdings die Schneidezähne häufig stärker abgenutzt und abgenutzte Holzstellen an denen das Pferd koppt, können zu Verletzungen im Maulbereich führen. Auch kann es zu einer Verstärkung der Halsmuskulatur kommen, die dem Pferd beim Reiten Schwierigkeiten bereitet, weil es sich schlechter Stellen lässt. Manche Kopper tun sich auch schwer den Hals vorwärts-abwärts zu dehnen.
  • Koppen ist vererbbar! Lediglich eine geringe Stressresistenz liegt in den Genen (siehe oben).

Eigenes Fazit

Meine 11-jährige Stute, die seit 2 Jahren bei mir lebt, koppt wohl schon seit Jahren. Wie lange genau oder was der Auslöser war, weiß ich nicht und werde ich wohl nie erfahren. Durch Verbesserung der Haltungsbedingunge, wie

  • tagsüber Weide
  • nachts zusätzlich Heunetz
  • Fütterung von getreide– und melassefreiem Müsli
  • Verabreichung von Zusatzfutter Acid Protect
  • Arbeit und Training mit viel Lob anstatt Strafe

haben wir das Koppen deutlich reduziert und ich bilde mir ein, mein Pony fühlt sich sichtlich wohler:-)

Wie immer würde ich mich über einen regen Erfahrungs- und Gedankenaustausch freuen! Nur los mit Euren Kommentaren!




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