Das Heunetz ist eine wichtige Hilfe bei artgerechter Pferdefütterung

Ein Hoch auf das Heunetz!

Ich bin ein absoluter Fan und Befürworter des Heunetzes und das möchte ich heute mit diesem kleinen Beitrag einmal festhalten. Das Heunetz ist für mich ein idealer Helfer, um meine Stute zu beschäfigen und zu lange Fresspausen zu vermeiden. Aber mehr dazu in den nächsten Zeilen… wobei ich durchaus auch die kritischen Meinungen zur Diskussion „Heunetz: ja oder nein?“ erwähnen möchte.

Ein Heunetz stellt eine ideale Beschäftigungsmöglichkeit dar.

Die Vorzüge des Heunetzes werden klar, wenn man sich mit folgender Frage beschäftigt:

Wie sieht eine artgerechte, das heißt natürliche Ernährung des Pferdes aus?

Pferde sind, wie fast alle Pflanzenfresser, Dauerfresser. In der freien Wildbahn ist das Pferd bis zu 18 Stunden am Tag unter ständiger Bewegung und dabei mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Daher ist der Magen des Pferdes im Verhältnis zum gesamten Verdauungsapparat sehr klein und produziert ununterbrochen Magensäure. Um eine Übersäuerung und daraus resultierende gesundheitliche Schäden zu vermeiden (z.B. Magengeschwüre), sollten daher Fresspausen von mehr als 4 Stunden vermieden werden.

Während das Sättigungsgefühl des Menschen, einfach ausgedrückt, durch seinen Blutzuckergehalt bestimmt wird, wird die Sättigung des Pferdes rein mechanisch durch die Anzahl der Kauschläge bestimmt, die vom Zwischenhirn registriert werden. Im Durchschnitt macht ein heufressendes Großpferd rund 3.500 Kauschläge in der Stunde. (…)

Für den Verzehr von einem Kilo auf dem Boden ausgelegten Heu benötigt ein Großpferd etwa 40 Minuten und 2.300 Kauschläge. Nach Adam Riese ist damit sein Kaubedürfnis erst nach zehn Stunden Heufressen gedeckt. In dieser Zeit hat es gute 15 Kilo Heu zu sich genommen. (pferderevue.at)

Eine Faustregel für die tägliche Menge an Raufutter lautet: 1 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht. Gehen wir von einem durchschnittlichen Körpergewicht von 600 kg aus, wäre eine Fütterung von 6 kg Heu (ohne besondere Arbeit des Pferdes) angemessen und gesund.

Schnell wird klar, dass wir hier vor einem Dilemma stehen. Will man das natürliche Kaubedürfnis des Pferdes befriedigen, nimmt das geliebte Tier eine zu große Futtermenge auf, was zu Übergewicht und daraus resultierend zu den sogenannten Wohlstandskrankheiten führen kann. Bietet man dem Pferd lediglich die empfohlene Tagesmenge an Heu an, entstehen zu lange, nicht artgerechte Fresspausen, die in Krankheiten, wie Magengeschwüren, Koliken oder auch  Verhaltensauffälligkeiten, wie Scharren, Koppen oder Weben, enden können.

Die Krux liegt einfach darin, dass die Fütterung von offenen Heumengen auf dem Boden nicht der natürlichen, ursprünglichen Futteraufnahme des Pferdes entspricht, bei der es sich viel mehr bewegen muss und dabei über die Zeit viel kleinere Mengen zu sich nimmt.

Auf der Suche nach Lösungen für das geschilderte Dilemma kommt nun das Heunetz ins Spiel…

Was sind die Vorteile des Heunetzes?

Und die Vorteile erklären sich größtenteils schon von selbst, wenn Du Dir den Abschnitt zur natürlichen, ursprünglichen Futteraufnahme des Pferdes durchgelesen hast.

  • Heunetze können vor allem beim Transport auch eine sinnvolle Alternative zur Bodenfütterung sein. Hierbei dienen sie eher der Ablenkung und als Beschäftigungstherapie.
  • Die Fütterung durch das Netz verlängert die Fresszeiten enorm und kommt daher der natürlichen Nahrungsaufnahme des Pferdes sehr nahe.
  • Das Pferd ist bei der Verwendung eines engmaschigen Heunetzes lange Zeit beschäftigt. So kann auch Verhaltensauffälligkeiten, die insbesondere durch Langeweile entstehen, entgegengewirkt werden.
  • Die Verunreinigung von am Boden liegendem Heu reduziert sich und somit auch die Menge an Heu, die auf dem Misthaufen landet.
  • Durch die Verwendung von Heunetzen kann insgesamt die Staubbelastung am Stall verringert werden.
  • Wenn das Heu gewässert werden muss, ist ein Heunetz sehr hilfreich. Durch Eintauchen des befüllten Heunetzes kann der allergieauslösende Staub rausgewaschen werden.

Welche Risiken birgt das Heunetz?

    • Das Pferd kann sich mit den Hufen (vor allem bei beschlagenen Pferden) darin verfangen.
    • In einer Herdenhaltung kann es zu Platzproblemen und infolgedessen zu Rangkämpfen um das Heu kommen. Es besteht die Gefahr, dass rangniedrigere Pferde bei der Fütterung leer ausgehen.
    • Da Heunetze beim Fressen oft über den Augen hängen, sind Augenentzündungen durch Heustaub möglich.
    • Wählt man die Maschen zu klein (< 3 cm) oder legt sogar zwei Netze übereinander, kann dies auch zu negativem Stress beim Pferd führen. Es verbringt zu viel Zeit mit der Futteraufnahme, für Spielen, Dösen oder gar Schlafen bleibt zu wenig Zeit.

Was gibt es bei der Fütterung mit dem Heunetz zu beachten?

    • Das Heunetz sollte möglichst tief, d.h. nur knapp über dem Boden, angebracht sein, um so der natürlichen Weidehaltung des Pferdes am gerechtesten zu werden und somit beispielsweise Verspannungen im Rücken- und Nackenbereich zu vermeiden.
    • Heunetze gibt es in verschiedenen Maschengrößen von etwa vier bis zehn Zentimetern. Je kleiner die Maschen, desto länger die Fress- und Beschäftigungsphause. Außerdem steigt die Gefahr, dass die Pferde mit den Vorderhufen im Netz hängen bleiben, mit der Größe der Maschen.
    • Es gibt Pferde, die die Netze immer wieder kaputt beißen. Das geht ins Geld und kann auch gesundheitliche Folgen haben. Von daher sollte man auf eine ausreichende Kordeldicke von 4 bis 5 mm achten.
    • Es gibt eine Vielzahl von Heunetz-Variationen in Sack- oder Taschenform. Außerdem gibt es große Rundballennetze, die man über ganze Ballen ziehen kann, angenähte Netze an Tonnen oder Raufen oder mit Netzen bespannte Rahmen, mit denen das Heu in einer Raufe abgedeckt wird. Es gibt viele kommerzielle Angebote und noch mehr Bastel-Lösungen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
    • Es werden Heunetze mit Auffüllhille (Easyfill) angeboten oder aber es gibt die Möglichkeit, einen
      Heunetzbutler zu engagieren. In beiden Fällen wird das Befüllen des Netzes zum Kinderspiel und erfordert keine zusätzliche Hilfe. Der Butler ist in größeren Ställen, in denen viele Pferde mit Heunetzen versorgt werden, sein (recht stolzes) Geld wert, da er jede Menge Zeitersparnis bringt.

Mein eigenes Fazit zum Heunetz

Ich verwende das Heunetz zusätzlich zur normalen Bodenfütterung. Somit weiß ich, dass insbesondere in der Nacht keine zu langen Fresspausen entstehen. Auf die Idee bin ich gekommen, nachdem ich mich nach den 2 Kolik-OP’s meiner Stute intensiv mit dem Thema „artgerechte Pferdefütterung“ beschäftigt habe. Zudem hatte ich beobachtet, dass auch die Klinik sehr viel mit Heunetzen arbeitet.

Meine Stute hat richtig Gefallen an ihrem Netz gefunden. Sehr oft frisst sie lieber aus dem Netz als das Heu auf dem Boden. Es macht ihr sichtlich Spaß, zusätzlich noch etwas Beschäftigung zu haben.

Die Gefahr des Hereintretens und Hängenbleibens muss jeder für sich selbst abschätzen und mit den Vorteilen abwägen, die so ein Heunetz bietet.

Ich denke, sowohl die Vorteile als auch die Risiken sind von Pferd zu Pferd unterschiedlich zu bewerten, weil auch jedes Pferd seine individuellen Bedürfnisse, Eigenschaften und Unarten mit sich bringt. Hat Dein Pferd wenig Geduld und beginnt vor dem Netz das Scharren, weil ihm da einfach zu wenig in zu langer Zeit raus kommt, würde ich das Netz sofort entfernen. Zu groß ist die Verletzungsgefahr!

Zu guter letzt eine kleine Auswahl an Heunetzen, inkl. Heunetzbefüller und Heumaster, der etwas preisgünstigeren, aber leider nicht ganz so komfortablen Alternative zum oben genannten Heunetzbutler.

Über einen regen Erfahrungaustauch würde ich mich, wie immer, riesig freuen!



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