Übergewicht beim Pferd kann schwere gesundheitliche Folgen haben.

Übergewicht beim Pferd: Ursachen und Folgen

Heutzutage leiden immer mehr Freizeitpferde unter Übergewicht. Viele Pferdebesitzer wollen ihren Vierbeinern etwas Gutes tun, indem sie sie mit einem Überangebot an (teilweise falschem) Futter verwöhnen. Hinzu kommt, dass viele Freizeitpferde zu wenig bis gar keine Bewegung haben. Pferde in freier Wildbahn legen bis zu 16 km pro Tag zurück. Viele unserer Pferde werden nicht täglich geritten, allenfalls nur leicht bewegt. Vor allem leichtfuttrige Rassen und Ponys werden schnell übergewichtig, wenn das Verhältnis von Leistung zu Futtermenge nicht passt. Wie beim Menschen, so kann auch Übergewicht beim Pferd zu gesundheitlichen Problemen führen.

Übergewicht beim Pferd kann schwerwiegende Konsequenzen haben.

Wie erkenne ich Übergewicht beim Pferd?

Du kannst selbst testen, ob Dein Pferd übergewichtig oder normalgewichtig ist. Lassen sich die Rippen des Tieres ohne großen Druck ertasten oder unter dem Fell gerade noch erahnen, hat das Pferd Normalgewicht. Die Rippen sollten nicht deutlich erkennbar sein, denn dies kann ein Anzeichen für Unterernährung des Pferdes sein. Lassen sich die Rippen nur schwer oder gar nicht ertasten, ist das Pferd zu dick. Über die Sicht- und Tastmethode hinaus kannst du das Pferdegewicht auch beispielsweise mit Hilfe einer Formel berechnen oder Du lässt das Tier ganz einfach auf einer mobilen Pferde-Waage wiegen.

Weitere Indikatoren für Übergewicht beim Pferd sind eventuelle Fettansammlungen an Mähnenkamm, Schulter, Hals, Kruppe und Schweifansatz sowie ein breitflächiger Pferderücken, bei dem die Dornfortsätze der Wirbel nicht mehr zu erstasten sind. Auch die Beckenknochen sollten fühlbar sein und nicht unter einer Fettschicht verschwinden.

Ein dicker Bauch ist übrigens nicht unbedingt ein Zeichen für Übergewicht. Viele schlanke Pferde haben zumindest zeitweise einen unverhältnismäßig runden Bauch, der im Extremfall durch Verwurmung, im Normalfall aber durch die Aufnahme von viel Raufutter (Stroh und Heu) oder Gras zustande kommt. Dies hängt schlichtweg damit zusammen, dass der Darm dann voll ist. Entleert dieser sich, sollte auch der dicke Bauch verschwinden.

Welche Ursachen gibt es für ein übergewichtiges Pferd?

Übergewicht beim Pferd entsteht durch Veranlagung, durch Bewegungsmangel und durch nicht angepasste Fütterung. Außerdem spielen auch rassetypische Eigenheiten, das Alter sowie der Gesundheitszustand eine wichtige Rolle.

Ein Pferd art- und bedarfsgerecht zu ernähren, ist gar nicht so einfach: Pferde sind darauf ausgerichtet, zwei Drittel des Tages mit Fressen zu verbringen, denn ihre ursprüngliche Nahrung bestand aus nährstoffarmem Steppengras, so dass große Mengen davon benötigt wurden. In der heutigen Zeit überwiegt das Angebot an reichhaltigem Futter, was für unsere domestizierten Pferde einfach ein Überangebot darstellt. Es fängt bereits und insbesondere auf der Weide an: Das Gras unserer grünen Weiden hat nichts mit dem Steppengras zu tun. Es ist viel zu gehaltvoll und enthält gleichzeitig zu wenig sättigende Rohfaser. Die Folge: Die Pferde verfetten und sind dennoch ständig hungrig.

Auch mit Kraftfutter kann der Pferdebesitzer vieles falsch machen: Ist das Pferd träge und unmotiviert, weil es zu viel Gewicht mit sich herumschleppt, erhöht der Besitzer womöglich noch zu allem Übel die Kraftfuttermenge, in dem Glauben somit die Leistungsbereitschaft seines Pferdes zu steigern. Als Folge generiert die überschüssige Energie zusätzliche Fettpolster. Zudem schafft das Kraftfutter kein Sättigungsgefühl. Dieses entsteht nur durch ausreichend Raufutter, das den Verdauungstrakt füllt und lange beschäftigt.

Welche Folgen kann Übergewicht beim Pferd haben?

Übergewicht bedeutet eine deutliche Mehrbelastung für die Knochen und das Skelett des Pferdes. Man sollte wissen, dass Pferde unter Bewegung ein Vielfaches ihres Körpergewichtes auf die Beine und Hufe bringen. Somit mag man sich nicht vorstellen, wie Übergewicht auf den gesamten Bewegungsapparat des Pferdes wirken muss und welche Konsequenzen dies haben kann. Arthrosen sowie Sehnen- und Gelenkschäden können als Folgen von einer zu hohen Gewichtsbelastung auf den Bewegungsapparat auftreten. Grundsätzlich kann man festhalten, dass Übergewicht beim Pferd die Beweglichkeit einschränkt. Dieser Prozess verläuft eher schleichend und wird daher oft nicht realisiert bzw. bemerkt. Irgendwann wird dann die Steifheit mit fortgeschrittenem Alter oder gefundenen Blockierungen argumentiert.

Ähnlich wie die Menschen leiden aber auch Pferde unter sog. Wohlstandskrankheiten. Leber und Herz verfetten und sind in ihrer Funktion geschwächt – ein riskanter Zustand der die Lebenserwartung des Tieres drastisch senken kann. Als weitere mögliche Konsequenz kann der Stoffwechsel entgleisen: EMS, Cushing und Hufrehe sind direkte Folgen von Übergewicht. Diese Krankheiten sind oft nicht reversibel und nur mit sehr großem Aufwand in den Griff zu bekommen.

Dicke Pferde tun sich nicht nur offensichtlich schwerer mit dem Training. Die Fettschicht isoliert den Körper und verhindert, dass Wärme abgegeben wird. Dadurch schwitzen übergewichtige Pferde bei körperlicher Anstrengung stärker, was wiederum negativ auf den Elektrolyt- und Wasserhaushalt wirkt.

Was kann ich gegen Übergewicht beim Pferd tun?

Grundsätzlich sollte das Pferd ausreichend Bewegung und einen ausgewogenen, rohfaserhaltigen, eiweiß- und kohlehydratarmen Speiseplan haben. Die Trainingsintensität sollte Tag für Tag langsam gesteigert werden. Die beste Gangart für Gewichtsverringerung und Muskelaufbau ist zu Anfang zügiger Schritt. Man sollte unbedingt darauf achten, das Pferd nicht zu überfordern und die Belastung langsam und kontinuierlich zu steigern, damit sich Muskeln und Gelenke an die Bewegungen gewöhnen können. Mit der Zeit ist der Aufbau von immer längeren Trab- und Galoppreprisen zu empfehlen. Das Pferd sollte so oft wie möglich bewegt werden. Für die Gewichtsreduzierung optimal sind zwei Bewegungseinheiten pro Tag – auch wenn sich diese oft nur schwer umsetzen lassen. Auch Führanlagen können während der Diät gute Dienste leisten.

In der Zeit der Diät sollte auf die Gabe von Kraftfutter gänzlich verzichtet werden. Ziel ist es, dass das Pferd im Rahmen des Abspeck-Bewegungsprogramms an seine Reserven geht. Das Wichtigste für eine gelungene Pferdediät ist Heu. Empfehlenswert ist spät geschnittenes, energieärmeres und faserreiches Heu. Die Menge sollte bei 1 kg/ 100 kg Körpergewicht liegen, je nach Energiegehalt des Heus. Zum Knabbern kann das Pferd zusätzlich noch ca. 0,5 kg/ 100 kg Körpergewicht Futterstroh erhalten. Sinnvoll ist es, das Heu in ein engmaschiges Heunetz zu füllen und über den Tag verteilt zu füttern. Dadurch wird das Pferd ausreichend lange mit Kauen beschäftigt.

Nicht vergessen werden darf ein ausgewogenes Mineralfutter, denn während der Diät benötigt das Pferd mehr Vitamine und Spurenelemente.

Außerdem sollten übergewichtige Pferde während der Weidesaison entweder einen Weidemaulkorb bekommen oder nur stundenweise auf einer mageren Weide grasen.

Geht man die Gewichtsreduzierung zu extrem an, so kann dies gravierende Erkrankungen, wie beispielsweise die Hyperlipämie (Störung des Fettstoffwechsels) auslösen. Diese stellt ein lebensbedrohendes Symptom bei Pferden (bevorzugt bei Ponys und Eseln) dar und entsteht vor dem Hintergrund, dass das Tier mehrere Tage einer negativen Energiebilanz ausgesetzt wird und die dann einsetzende Mobilisierung des Depotfettes nicht durch eine zureichende Leberfunktion verstoffwechselt wird. Fett gelangt ins Blut, Puls- und Herzfrequenz sind erhöht, das Tier befindet sich im Zustand der Apathie mit Futterverweigerung. Letztendlich führt der Verlauf nicht selten zu einem tödlichen Leber- und Nierenversagen.

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Wie bei der menschlichen Diät, gilt auch für die Pferdediät: Disziplin! Disziplin Disziplin! Und für diese ist nun mal leider der Pferdemensch zuständig und verantwortlich. Führt man sich allerdings mögliche Konsequenzen des Übergewichts beim Pferd vor Augen, finde ich, sind wir das unseren Pferden und deren Gesundheit schuldig.

Ich hoffe, der Beitrag gefällt Dir! Ich würde mich freuen, Deine Meinung oder auch Deine Fragen zu dem Thema zu lesen.




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2 Kommentare

  • Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Wir haben ein übergewichtiges Pferd mit Gelenkproblemen geerbt. Jetzt habe ich von Vetvital Viequo Orthohyl gehört. Hat jemand Erfahrungen damit sammeln können?

    • Das eigene Pferd

      Selbst habe ich noch keine Erfahrungen mit diesem Produkt gesammelt. Aber ich habe schon davon gehört und bisher nur Positives! Oft wird das Mittel älteren Pferden zur Unterstützung der Gelenke verabreicht.
      Ich kann Dir nur raten, Dich mit Deinem Tierarzt zu besprechen. Er kann und sollte Dich auch beraten, was Du gegen das Übergewicht unternehmen kannst. Leider kann man ein Pferd nicht einfach so auf Radikaldiät setzen. Das kann üble Folgen für Magen und Darm haben…

      Ich wünsche Euch alles Gute!

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