Alleine ausreiten kann eine gewisse Herausforderung darstellen.

Alleine ausreiten! Großer Spaß oder zu hohes Risiko?

Wir alle stellen uns vor, wie wir alleine ausreiten gehen, die Seele baumeln lassen, die Natur genießen und uns voll und ganz auf unser Pferdchen verlassen können.

In unseren Gedanken galoppieren wir über weite Felder dem Sonnenuntergang entgegen oder begeben uns auf einen ganztägigen Wanderritt mit kurzen Zwischenstopps, Picknick usw.

Träume und Ziele darf und soll der Pferdemensch haben! Die Realität sieht leider oft ganz anders aus!

Alleine ausreiten! Spaß oder Risiko?

Du bist beim Ausreiten nie gefeit vor irgendwelchen unvorhersehbaren Situationen, die Dein Pferd zur Flucht animieren und Dich gegebenenfalls in Gefahr bringen. Da kannst Du Dein Pferd noch so gut kennen und ihm vertrauen! Von daher sollte man sich des Risikos bewusst sein, wenn man alleine ausreiten geht und entsprechend vorbereitet und ausgestattet sein.

Tendenziell ist es ratsam, zu zweit oder in der Gruppe ausreiten zu gehen. Pferde sind Herdentiere und orientieren sich sehr stark an der Gruppe, was meistens eine gewisse Gelassenheit in den Ausritt bringt. Dein Pferd muss nicht alleine die Umgebung abchecken und auf lauernde Gefahren aufpassen – wie beispielsweise die Bank am Wegesrand, die zwar schon immer genau dort steht, aber heute irgendwie anders aussieht 🙂  Sollte es (was niemand hofft) zu einem unschönen Vorfall kommen, der Dich und Dein Pferd in Gefahr bringt oder seid Ihr sogar verletzt, ist es unbezahlbar, Jemanden dabei zu haben, der Hilfe rufen und die Situation gegebenenfalls mit einem halbwegs klaren Kopf entschärfen kann.

In der Gruppe ausreiten ist nicht so gefährlich wie alleine ausreiten.

Dennoch gibt es Umstände, die für einen Ausritt alleine sprechen. Oft hat man einfach nicht die richtige Gesellschaft, um gemeinsam ausreiten zu gehen. Es kann sein, dass Dein Pferd an einem Stall steht, wo es keine anderen Mitreiter gibt oder es gibt zwar Leute, die ausreiten gehen, aber schlichtweg zu anderen Uhrzeiten als Du. Es kommt häufig vor, dass sich Arbeitszeiten und/oder Freizeitplanung nicht aufeinander abstimmen lassen. Gar nicht so selten passen die Pferde auch einfach nicht zusammen. Eventuell bist Du Dein Pferd nur am bremsen, weil es einen flotten und fleißigen Schritt hat, mit dem das andere Pferd nicht mithalten kann. Diese ständige Bremserei ist nicht besonders pferdefreundlich und trainingsfördernd. Schlichtweg macht es keinen Sinn und keinen Spaß!

Ich muss gestehen, ich gehe oft alleine ausreiten, weil ich einfach meine Ruhe haben und abschalten will. Ich sehe die Reiterei unter anderem als ein Hobby, bei dem ich wunderbar entspannen kann – nicht im Sinne von träumend aufs Pferd setzen (bloß nicht!), sondern im Sinne von „Kopf frei kriegen“. Da ich mich beim Reiten ununterbrochen auf mein Pferd und die Umgebung konzentrieren muss, bleibt nicht viel Zeit über Probleme oder den stressigen Arbeitstag nachzudenken. Natürlich könnte ich auch auf dem Reitplatz oder in der Halle mit dem Pferd arbeiten. Dabei kann man auch gedanklich ab- bzw. umschalten. Aber ich genieße die Jahreszeit, in der man auch noch abends nach der Arbeit die Sonne und die Natur genießen kann. Herbst und Winter sind noch lange genug dunkel und grau. Da ich im Gelände auch gerne richtig mit meinem Pferd arbeite (Seitengänge, Übergänge reiten usw.), empfinde ich es oft als angenehmer, alleine ausreiten zu gehen. Sind wir doch mal ehrlich… Sobald zwei oder mehr Leute zusammen reiten gehen, wird doch mehr gequatscht als sinnvoll trainiert 😉 Das ist einerseits sehr schade, denn gerade das Bergauf und Bergab im Gelände können den Pferderücken, der so wichtig ist für die physische Gesundheit des Pferdes, effektiv trainieren und stärken. Ein letzter Grund, warum ich gerne auch mal alleine ausreiten gehe: Ich bin zeitlich ungebunden und flexibel, muss nicht mein Wochenende auf das Reiten abstimmen, sondern kann zum Stall fahren, wann es mir passt und ich Lust habe. Zeitliche Flexibilität ist für mich eines der größten Privilegien eines Pferdebesitzers, im Vergleich zu Reitbeteiligungen oder Reitschülern.

Man sollte einiges beachten, wenn man alleine ausreiten geht.

Bereits an der Länge der vorherigen Absätze kannst Du erkennen, dass ich ein Befürworter bzw. zumindest kein Gegner von Ausritten alleine bin.

Dennoch habe ich diesen Artikel geschrieben, um auf die Gefahren und Risiken hinzuweisen, die es beim alleine Ausreiten gibt.

Bitte beantworte Dir selbst folgende 7 Fragen ganz ehrlich:

  • Überwiegen das positive Gefühl und die Freude, wenn Du ans alleine Ausreiten denkst?
  • Vertraust Du Deinem Pferd bzw. hast Du das Gefühl, dass es Dir vertraut und Dich als „Leittier“ akzeptiert? Ich habe einen Beitrag geschrieben, wie Du das Vertrauen Deines Pferdes gewinnen kannst.
  • Fühlst Du dich in der Lage mit brenzligen Situationen (z.B. springt ein Reh aus der Hecke auf den Weg vor Euch oder ein Hund greift Euch an/rennt Euch hinterher) souverän umzugehen?
  • Bist Du ein guter Reiter, d.h. fühlst Du Dich sicher und hast einen „guten“ Sitz?
  • Ist Dein bevorzugtes Ausreitgelände pferdefreundlich (d.h. wenig Straßen/Verkehr)?
  • Ist Dein Pferd verkehrssicher und scheut nicht vor vorbeifahrenden oder entgegenkommenden Autos?
  • Ist Dein Pferd grundsätzlich gelassen und berechenbar und nur wenig bis gar nicht schreckhaft?

Du solltest meines Erachtens ALLE Fragen mit JA beantworten können, um das alleine Ausreiten wagen und auch genießen zu können!

Und dennoch, auch wenn Deine Antworten positiv sind, kann ich nur raten, folgende 7 Hinweise zu beachten, wenn Du alleine ausreiten gehen willst:

  1. Reiten – sowieso jegliche Art von „Aufs Pferd setzen“! – nur mit Helm! Diese Regel sollte für jeden Reiter selbstverständlich sein.
  2. Erzähle Deiner Familie und/oder einem Freund, dass Du alleine ausreiten gehst. Nach dem Ausritt brauchst Du Dich nur kurz zurück zu melden. So kann sichergestellt werden, dass Du bei einem Ausritt nicht längere Zeit vermisst gehst.
  3. Reite nur sichere, relativ viel benutzte Wege. Bei Querfeldeinritten ist die Gefahr zu groß, dass Du oder Dein Pferd sich verletzen. Außerdem stehen bei frequentierten Wegen die Chancen gut, dass Dir Jemand zur Hilfe kommt, falls doch einmal etwas passieren sollte.
  4. Nimm immer Dein Handy mit! Ich trage mein Smartphone immer in einem Laufgurt oder in einer Jackentasche mit mir.

Bei der Verwendung eines Laufgurtes ist mir wichtig, dass er elastisch und eng am Körper anliegt, damit es beim Reiten schnellerer Gangarten nicht zu lästigem Geruckel und Gehüpfe am Körper kommt. Folgendes Produkt kann ich Dir zu 100% empfehlen:

  • Heutzutage gibt es tolle GPS-Apps, die im Falle eines Falles mittels eines Notrufs Deinen Standort an Deine Liebsten melden. Ich habe im Netz die Empfehlung für eine Sicherheits-App für Reiter gefunden, die sehr interessant klingt. Ich werde diese umgehend testen und kann Dir nur empfehlen, dies auch zu tun.
  • Achte auf die Stimmung und die Verfassung Deines Pferdes. Es kann Tage geben, an denen Dein Pony hoch sensibel und nervös ist (vielleicht gab es in der Nacht ein Feuerwerk oder eine Treibjagd am frühen morgen oder oder oder…). An solchen Tagen rate ich Dir auf einen Ausritt ins Gelände zu verzichten und anderweitig Zeit mit Deinem Liebling zu verbringen.
  • Plane Ausritte alleine nur dann ein, wenn Du Dich auch entsprechend gut fühlst. Es gibt Tage, da ist man nervös, fahrig, leicht reizbar, unsicher usw. An diesen Tagen würde ich mich nicht aufs Pferd setzen, um alleine ausreiten zu gehen. Dein Pferd reagiert sehr sensibel auf Deine Stimmung. Merkt es Deine Unsicherheit oder Nervosität, kann es auch nicht entspannt und losgelassen durch die Welt gehen. Die Chance ist groß, dass der Ausritt reine Nervensache wird!
Ich hoffe, der Beitrag hat Dich einerseits motiviert, andererseits aber auch ein wenig nachdenklich gestimmt, was das alleine ausreiten anbelangt.
Über Deine Erfahrungen und Dein Feedback würde ich mich sehr freuen!



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