Der Pferderücken muss gut bemuskelt sein.

Was kann ich für einen gesunden Pferderücken tun?

Ein gesunder Pferderücken ist unabdingbar, wenn wir mit unserem Pferd und seiner Gesundheit verantwortungsbewusst umgehen wollen. Beim Reiten muss der Rücken die ganze Last tragen. Von daher ist es wichtig, dass der Pferderücken gut bemuskelt und frei von Verspannungen ist. Damit ein Reitpferd langfristig gesund bleibt, muss es korrekt über den Rücken geritten werden. Das bedeutet: Die Hinterhand muss unter den Schwerpunkt treten, das Pferd sollte sich an den Zügel anlehnen und vorwärts-abwärts dehnen. So wölbt sich der Rücken auf und die Bewegung, die hinten entsteht, kann bis nach vorne durchschwingen. Ich habe hierzu einen tollen Beitrag mit einem Interview mit Desmond O’Brien (Sattlermeister und ehemaliger Eleve an der Wiener Hofreitschule) gefunden, indem besprochen wird, warum Pferde nicht über den Rücken gehen. Im Übrigen spielen neben der Hinterhand auch die Bauchmuskeln eine wichtige Rolle für ein gesundes Training. Sie sorgen als Gegenspieler dafür, dass der Rücken aufgewölbt wird.

Nachfolgend möchte ich Dir 8 Tipps bzw. Übungen mit an die Hand geben, wie Du den Rücken Deines Pferdes stärken kannst, so dass Dich Dein Pferd gesund und entspannt tragen kann.

10 Übungen für einen gesunden Pferdrücken

 

Gymnastik mit Leckerlis

Gymnastizieren vom Boden aus: Bewaffne Dich mit genügend Leckerlis und sorge dafür, dass Dein Pferd sich ordentlich dehnt und den Rücken aufwölbt. Dabei hälst Du das Leckerli Deinem Pferd zwischen die Vorderbeine, Höhe Sattelgurtlage. Ziel ist es, dass das Pferd – ohne sich von der Stelle zu bewegen – mit aufgewölbtem Rücken nach dem Leckerli greift. Hierbei muss das Pferd ordentlich seine Bauchmuskulatur anspannen. Das Gleiche kannst Du zur Seite machen, indem Du das Leckerli in etwa Höhe Sattelblatt hälst. Die Biegung Deines Pferdes nach dem Leckerli macht es schön beweglich und stärkt die entsprechende seitliche Hals- und Rückenmuskulatur. Diese Übungen solltest Du wiederholen, so oft Du daran denkst.

Viel bergauf und bergab

Beides kann sowohl vom Boden als auch vom Sattel aus trainiert werden. Dabei kann sich das Pferd wunderbar lösen.

Beim Bergaufgehen muss die Hinterhand kräftig schieben, was deren Muskulatur sehr gut trainiert. Eine kräftige Hinterhand sorgt später dafür, dass das Pferd Dich schwungvoll tragen kann. Außerdem werden beim Bergaufgehen die Bauchmuskeln beansprucht und das Pferd „muss“ sich quasi lösen und den Rücken aufwölben.

Beim Bergabgehen tritt die Hinterhand weiter unter den Pferdekörper, um das Gewicht abzufangen. Diese Bewegung hat wiederum einen versammelnden Effekt, was einem aufgewölbten, tragfähigen Rücken förderlich ist.

Stangenarbeit

Beim Longieren, Reiten oder auch Spazierengehen kannst Du Dein Pferd immer wieder über Stangen treten lassen; im Gelände sind auch herumliegende Äste und Baumstämme sehr gut geeignet.

Durch die kleinen Hindernisse am Boden muss das Pferd seine Beine höher nach oben durchschwingen und dabei weiter unter den Schwerpunkt treten. Dabei werden die Bänder gedehnt und die Rückenmuskeln angespannt, d.h. der Pferderücken wölbt sich nach oben. Auch die Bauchmuskulatur profitiert als Gegenspieler der Rückenmuskeln von der Stangenarbeit. Dehnt sich ein Pferd bei diesem Training vorwärts-abwärts, werden die Bauchmuskeln wechselseitig an- und abgespannt.

Übergänge reiten

Unter „Übergänge reiten“ versteht man den Wechsel in eine andere Gangart, z.B. vom Schritt in den Trab oder umgekehrt. Beim Reiten von Übergängen nimmt die Hinterhand vermehrt Last auf, die Bauchmuskulatur wird angespannt und der Pferderücken dadurch gestärkt. Richtig gerittene Übergänge fördern die Losgelassenheit, Durchlässigkeit und die Balance des Pferdes.

Übergänge sind dann korrekt, wenn sie von hinten nach vorne geritten werden. Das heisst, es ist die Hinterhand die den Übergang einleitet und steuert. Wird der Reiter beim Übergang aus dem Sattel „gespickt“, ist dies meist ein Zeichen für einen nicht korrekt gerittenen Übergang. (Nadine Maier, reitsport.ch Blogger; Übergänge harmonisch und korrekt reiten)

Seitengänge, Biegungen und Rückwärtsrichten

Durch das Üben von Seitengängen (gerne zunächst vom Boden, später aus dem Sattel) kannst Du Dein Pferd sehr schön gymnastizieren und seine Muskulatur trainieren. Zur Stärkung der Hinterhand und somit, wie wir gelernt haben, zur Kräftigung des Rückens ist das Schulterherein zu empfehlen. Dabei kannst Du das Pferd schön leicht in der Schulter bekommen und Dein Pferd lernt dabei, sich mit der Schulter verschieben zu lassen und sein Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern.

Jede Form der Biegung ist gut für die Losgelassenheit und Beweglichkeit Deines Pferdes und stärkt auch gleichzeitig die gesamte Muskulatur. Das Reiten von Biegungen macht Dein Pferd zudem aufmerksam, so dass es an Deinen Hilfen steht und im besten Fall mit Anlehnung vorwärts-abwärts geht. Von daher rate ich Dir sowohl auf dem Reitplatz, als auch im Gelände immer wieder Biegungen, wie z.B. Zirkel, Volten, Schlangenlinien usw. in den Trainingsablauf einzubauen.

Eine weitere Übung, die ich Dir empfehlen kann, um den Pferderücken zu stärken, ist das Rückwirtsrichten. Hierbei beugt das Pferd seine Hanken und kippt das Becken ab. Das lockert den Pferderücken und kräftigt die Muskeln.

Sowohl Seitengänge als auch Rückwärtsrichten können „on top“ im Gelände bergauf oder bergab ausgeübt werden, was die positiven Effekte des Trainings um ein Vielfaches verstärkt.

Longieren

Longieren kannst Du am Besten mit Hilfe eines Kappzaums.

Longenarbeit mit einem Kappzaum stärkt den Pferderücken.Kappzaum

Auswahl an Kappzäumen

Mit diesem kannst Du erreichen, dass Dein Pferd losgelöst, im Idealfall vorwärts-abwärts an der Longe läuft. Sehr sinnvoll ist, wenn Du das Longentraining in Intervallen abhälst, d.h. mit den Gangarten alle paar Runden variierst. Somit kommen dann auch gleich die vorher erwähnten Übergänge ins Spiel, die den Pferderücken kräftigen. Auch kannst Du während des Longierens dein Pferd über Stangen treten lassen. Du siehst, Longenarbeit ist bei Weitem nicht so langweilig wie sie scheint. Aber auch nicht so einfach!

Ich kann Dir nachfolgendes Buch nur Wärmsten ans Herz legen:

Langer Zügel und Entspannung

Bei allem Training ist es wichtig, dass Dein Pferd zwischendurch immer wieder entspannen kann. Lass es sowohl in der Aufwärm- als auch in der Cool Down-Phase am langen Zügel gehen, so dass es sich strecken und seine Muskulatur dehnen kann. Auch während des Trainings können durchaus Streck- und Dehnungsphasen am langen Zügel eingebaut werden. Muskeln können sich nur aufbauen, wenn sie auch genügend Erholung und Zeit zur Regeneration bekommen. Jeder Anspannung muss eine Entspannung entgegenstehen.

Daher sollte man auch nicht allzu lange, sondern lieber kürzer und öfter trainieren und den Muskeln dazwischen auch gerne mal einen Tag Erholung gönnen. Der Muskelzuwachs findet in diesen sogenannten Erholungsphasen statt.

Equipment und Dies & Das

Zu guter Letzt möchte ich erwähnen, wie wichtig das richtige Equipment für eine gesunde und rückenfördernde Arbeit mit dem Pferd ist. Darunter verstehe ich den Sattel, das Gebiss, aber auch die Hufe, die Zähne und den gesamten Bewegungsapparat des Pferdes. Auch das kleine 1×1 der Pferdegesundheit darf nie außer Acht gelassen werden. Nur ein gesundes Pferd ist leistungsbereit, hat Spaß am Training und kann im Speziellen (Rücken-)Muskulatur ausbilden.

Passt der Sattel nicht oder ist das Gebiss nicht geeignet oder scharf, dann hat das Pferd Schmerzen während dem Reiten und ein gesundes Reiten ist unmöglich. Auch Hufe und Zähne müssen regelmäßig kontrolliert und fachgerecht bearbeitet werden.

Es empfiehlt sich bei allem einen Fachmann drauf schauen zu lassen. Hast Du das Gefühl, Dein Pferd bewegt sich unter dem Sattel nicht so frei und losgelöst, wie beispielsweise an der Longe, dann vereinbare einen Termin mit einem professionellen Sattler. Ein Termin beim Hufschmied ist in der Regel durchschnittlich alle 8 Wochen notwendig, wobei das von Pferd zu Pferd und dessen Hufqualität sehr stark variieren kann. Die Zähne Deines Pferdes solltest Du mindestens einmal im Jahr kontrollieren lassen.

Denkst Du, dein Pferd hat grundliegende Rückenprobleme. Bei Cavallo findest Du einen Online-Test, der Dir Anhaltspunkte liefern kann, ob der Rücken Deines Pferdes fit ist. Dieser Test ist, wie gesagt, ein Anhaltspunkt. Bist Du Dir nicht sicher, lass lieber einen Pferdeosteopathen nach Deinem Pferd schauen.

Ich hoffe, Dieser Beitrag hat Dir gefallen und Du kannst Den ein oder anderen Tipp anwenden. Der Pferderücken Deines Lieblings wird es Dir danken!
Über Kommentare, Anregungen und Kritik würde ich mich sehr freuen! Wie sieht Dein Training für einen gesunden Pferderücken aus?



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