Melassefreies Pferdefutter kann Wohlstandskrankheiten vorbeugen.

Melassefreies Pferdefutter: Nur ein Trend oder steckt mehr dahinter?

Immer wieder hört und liest man, wie sinnvoll und gesundheitsfördernd melassefreies Pferdefutter ist. Handelt es sich nur um einen vorübergehenden Trend oder ist die melassefreie Fütterung wirklich die Lösung für das ein oder andere Gesundheitsproblem unserer Ponys?

Welche Vor-und Nachteile melassedreies Pferdefutter hat, erfährst Du hier.

Was ist eigentlich Melasse?

Melasse ist ein zäher, dunkelbrauner Zuckersirup, der als Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr, Zuckerrüben und Zuckerhirse anfällt. Melasse aus Zuckerhirse ist aufgrund ihres geringen Vorkommens von untergeordnet Bedeutung und spielt in der Futterherstellung keine Rolle. Melasse besteht zu ca. 50 % aus Zucker und beinhaltet daneben einen hohen Anteil an Rohproteinen und Mineralstoffen sowie eine Vielzahl an Spurenelementen. Hier sind vor allem Kalzium, Phosphor, Eisen, Magnesium und Kalium zu erwähnen. Ein Großteil der Melasse wird in der Landwirtschaft als direktes Futtermittel sowie als Presshilfsmittel bei der Produktion von Futterpellets eingesetzt. Auch Müslis enthalten sehr oft Melasse, da sie der Konservierung dient und der süßliche Sirup den Futtergeschmack verbessert. Melasse bietet eine hohe und schnelle Energiezufuhr..

Das hört sich doch alles sehr gut und sogar gesund an….

Warum achten dennoch so viele Pferdehalter auf melassefreies Pferdefutter?

Man muss zunächst die Art der Melasse unterscheiden. Es ist bewiesen, dass viele Pferde allergisch auf Zuckerrüben reagieren, so dass die Zuckerrohrmelasse eindeutig die bessere Wahl in der Pferdefütterung darstellt. Das Zuckerrohr gehört zur Familie der Süßgräser und gehört daher zur ursprünglichen Nahrungskette von Pferden.

Der Zuckergehalt bereitet vielen Tierärzten und somit auch Pferdebesitzern Kopfzerbrechen, da Erkrankungen wie Hufrehe, Cushing-Syndrom, Metabolisches Syndrom (EMS) und Insulinresistenzen als Folgeerscheinungen einer hohen Stärkezufuhr wie auch Melassefütterung gelten.

Größere Mengen an Melasse können das Darmmilieu gefährlich verändern, wenn die Zeit nicht ausreicht, um die Melasse im Dünndarm komplett zu verdauen. Gerät die Melasse (generell Zucker und Stärke) in den Dickdarm, wird dort bei der Verdauung Laktat produziert, d.h. der ph-Wert sinkt und die dadurch entstehende Übersäuerung schädigt die Darmwand. Dabei können Toxine aus dem Dickdarm ins Blut gelangen und Folgeerkrankungen, wie z.B. Hufrehe, begünstigen. Außerdem kann das gestörte Darmmilieu gegebenenfalls Kotwasser oder Gaskoliken fördern.

Auf melassefreies Pferdefutter ist insbesondere bei Pellets zu achten.

Fazit: melassefreies Pferdefutter –> JA oder NEIN?

Eins ist vorweg festzuhalten. Es gibt kein schwarz oder weiß und wie so oft, kommt es auf die Menge an.

Deswegen möchte ich den Zuckergehalt im natürlichen Raufutter für Pferde, wie beispielsweise Heu, im Verhältnis zum Zuckergehalt von Pferde Kraftfutter, wie z.B. Müsli, darstellen.

Ein 500-kg schweres Pferd nimmt mit seiner täglichen Heuration (Zuckergehalt von ca. 4 %) von 5kg eine Zuckermenge von ca. 200 Gramm zu sich.

Angenommen das Futtermüsli enthält 5 % Melasse (realistischer Durchschnittswert) mit einem Zuckeranteil von 50 %, so nimmt das Pferd bei seiner täglichen Kraftfutterration von 1 kg (realistische Annahme) eine Zuckermenge von 25 Gramm auf. Das ist etwas mehr als ein Zehntel der Zuckermenge, die es bereits über seine Raufutterration erhalten hat.

JA zur Melasse, weil:

  • hohe und schnelle Energiezufuhr
  • sehr nährstoffreich, Lieferant wichtiger Mineralien und Spurenelemente
  • Appetizer bei schwerfuttrigen Pferden durch süßen Geschmack

NEIN zur Melasse, weil:

  • Stoffwechselkrankheiten, wie Hufrehe, Insulinresistenz, Cushing oder EMS gefördert werden
  • manche Pferde allergisch reagieren
  • das Darmmilieu bei zu großen Mengen gestört werden kann (mögliche Folgen: Kotwasser, Koliken)

Ich füttere meiner Stute seit Kurzem melassefreies Müsli. Ich denke, ihren täglichen Zucker- und Stärkebedarf deckt sie bereits durch die tägliche Raufutterportion. Sie wird mehrmals die Woche freizeitmäßig geritten, d.h. sie muss nicht schwer arbeiten. Außerdem ist sie eher von der leichtfuttrigen Fraktion. Durch die melassefreie Fütterung möchte ich den oben genannten Wohlstandskrankheiten vorbeugen und auch einen weiteren, kleinen Beitrag leisten, um erneute Koliken zu vermeiden.

Seit einigen Wochen verwende ich getreide- und melassefreies Mischfutter von marstall. Das Futter riecht schmackhaft würzig und enthält neben einem extra Rohfaseranteil im Wesentlichen Knoblauch, Vitamin E, Leinsamen, Bierhefe, Leinöl, Apfeltrester und Karotten. Das Spezial-Müsli ist somit sehr gut für den Verdauungsapparat des Pferdes und für alle Pferde mit Stoffwechselproblemen (wie z.B. Cushing, EMS und Hufrehe) geeignet. Meinem Pony schmeckt das Futter sehr gut und sie sieht auch richtig gut aus. Ihr Fell glänzt – trotz Fellwechsel – und beim Training zeigt sie sich fit und leistungsbereit. Ich kann Dir das Futter nur Wärmstens empfehlen. Du findest es hier:


Marstall – Vito
getreide- und melassefreies MüsliMeine Empfehlung für melassefreies Pferdefutter: Vito von marstall

Dieser Beitrag räumt meines Erachtens mit dem Schreckgespenst „Melasse“, das in vielen Ställen kursiert, auf. Wie bei fast allem im Leben bringt auch die Melassefütterung Vor- und Nachteile mit sich und jeder Pferdehalter sollte je nach Bedarf und Situation selbst entscheiden, ob er Melasse verfüttern möchte oder nicht.

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